Einführung

Die Herzbestattung, also die vom Körper getrennte Bestattung des Herzens, ist ein Ritual, das auf das christliche Abendland, also auf Europa beschränkt blieb. In seinen Anfängen und über lange Jahrhunderte war es den Eliten des Volkes, dem Adel und der hohen Geistlichkeit, vorbehalten. In der Kulturgeschichte des Herzens verkörpert diese Bestattungssitte am eindrücklichsten die Magie, die dieser Hohlmuskel auf den Menschen ausübt.

Von jeher war das Herz in fast allen abendländischen Kulturen, aber auch in vielen außereuropäischen Hochkulturen, das Organ, das die menschliche Persönlichkeit repräsentierte. Es stand und steht für Leben und Lebendigkeit. 

Es wurde am deutlichsten mit der Emotion gefühlt, seine Verletzung, sein Ende bedeuteten bei Tier und Mensch das Ende des Lebens. Das Herz galt als Sitz aller guten und schlechten Eigenschaften. Das Judentum und dann das frühe Christentum übernahmen diesen Glauben der Ägypter und die Ansicht der klassischen griechischen Philosophie, dass die Seele im Herzen beheimatet sei. So ist die abendländische Herzgeschichte auch die Geschichte der Seele.

Die Seele eines sterbenden Mannes wird beim Verlassen des Körpers von einem Dämon bedroht, ein Engel bietet ihr Schutz. Zeichnung in einer Ars moriendi aus England, 14. Jahrhundert
Die Seele eines sterbenden Mannes wird beim Verlassen des Körpers
von einem Dämon bedroht, ein Engel bietet ihr Schutz. Zeichnung in
einer Ars moriendi aus England, 14. Jahrhundert
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Es bedurfte immerhin eines Konzils, in Vienne in Frankreich 1311, in dem die Kirchenväter feststellen mussten, dass die Seele im ganzen Körper beheimatet sei, also in jedem seiner Teile. Der im Christentum verankerte Glauben an die Unsterblichkeit der Seele in Verbindung mit der Überzeugung, dass diese Seele im Körper, also im Herzen wohne, war die wesentliche Wurzel der Herzbestattung.

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