In den Anfängen der Herzbestattung wurde das Organ in Textilien oder Tierhäute gewickelt, in schmucklosen Metallgefäßen, meist ohne Gedenktafel im Boden oder der Wand der Kirche begraben.

Bronzekardiotaph von Tilly in der Gnadenkapelle von Altötting
Bronzekardiotaph von Tilly in der
Gnadenkapelle von Altötting

Bereits im Mittelalter wurde dann häufig in Analogie zum Epitaph ein Kardiotaph über dem begrabenen Herzen angebracht, z.T. mit prägnanten Angaben zu Name, Titel und Lebens- bzw. Sterbedaten, häufig auch mit einer fast lyrischen Würdigung des Lebens und der Verdienste des Trägers. 

Ein schönes Beispiel ist die lateinische Inschrift auf der Gedenktafel über dem Erdgrab des Herzens des Feldherrn Tilly in der Gnadenkapelle des bayerischen Altötting, die in der Übersetzung lautet:

Begräbnisstätte des Herzens des erlauchten Herrn Grafen Johannes Tilly. Sein Leben war fortwährender Kriegsdienst, nun triumphiert es im Tode, und sein Herz ist dort, wo sein Schatz war. Ein Freund der Demut und der Keuschheit, ward er nicht müde in der Verehrung der demütigen Magd und Mutter des Herrn. Als Krieger kämpfte er den Kampf Gottes. Er hat den Glauben bewahrt und den Lauf vollendet. Darum hat ihm der Herr, der gerechte Richter, die hinterlegte Krone der Gerechtigkeit gegeben am letzten Tage des Aprils im Jahr Christi 1632.

Inschrift des Bronzekardiotaphs
Herzgrabmal für Heinrich II. 
von Frankreich von Pilon
(Louvre, Paris)
Herzgrabmal für Heinrich II.
von Frankreich von Pilon
(Louvre, Paris)

Die Gestaltungsvielfalt der Herzbehältnisse, die z.T. in den Boden oder die Kirchenwand gebracht, ab der Barockzeit häufig als Schaugefäße aufgestellt wurden, variierte vom schlichten Becher über herzförmige Metallbehälter bis zu pokalförmigen Gefäßen, sogar ganzen Denkmälern.

Meist sind die Urnen in einem besonderen, vom Leichnam räumlich weit entfernten Grab untergebracht, manchmal werden sie allerdings an, sogar in den Sarg des Verstorbenen gestellt, wobei hier der Sinn dieser Sitte schwer nachvollziehbar ist.

 Doppelherzurne Kaiser Karls VII. 
und seiner Gattin Maria Amalie in der Gnadenkapelle von Altötting 
(Foto: A. Dietz)
Doppelherzurne Kaiser
Karls VII. und seiner Gattin
Maria Amalie in der
Gnadenkapelle von
Altötting (Foto: A. Dietz)

Eine Besonderheit ist die „Doppelherzurne“ des Kaiserpaares Karls VII. und seiner Gattin in Altötting.

Häufig wurden Herzen zu denen Verwandter, vor allem Eltern und Ehegatten, zumindest zu deren Särgen gebracht.
Insgesamt eher selten wurde der Tote liegend oder an der Wand aufrecht stehend ganzfigurig dargestellt wie Heinrich III. in Goslar (siehe hier), Richard Löwenherz in Rouen, Karl von Anjou in Saint-Denis oder Würzburger Fürstbischöfe in der Kirche des ehemaligen Zisterzienserklosters Ebrach.

Herzgrab von Richard Löwenherz in der Kathedrale von Rouen
Herzgrab von Richard Löwenherz in der Kathedrale von Rouen
 Stehende Figur eines Bischofs vor seinem Herzgrab in der ehemaligen Abtei von Ebrach (Foto: A. Dietz)
Stehende Figur eines Bischofs vor seinem Herzgrab in der ehemaligen Abtei von
Ebrach (Foto: A. Dietz)

Neugier der Nachwelt oder die Notwendigkeit einer Umbettung haben gelegentlich dazu geführt, dass der Inhalt von Herzurnen ans Tageslicht kam. In der Regel fanden sich nur amorphe Reste, z.T. Gewebefetzen von Tüchern, in die das Organ eingeschlagen war.

Vom Zinkfraß beschädigte Herzkapsel des Abtes Emmanuel II. in der Wallfahrtskirche Marienberg bei Burghausen. Der endoskopisch untersuchte Inhalt bestand nur aus amorphen, nicht mehr identifizierbaren Resten (l.)
Vom Zinkfraß beschädigte Herzkapsel des Abtes Emmanuel II. in der
Wallfahrtskirche Marienberg bei Burghausen. Der endoskopisch untersuchte
Inhalt bestand nur aus amorphen, nicht mehr identifizierbaren Resten
Konserviertes Herz des Fürsten von Hardenberg in der Kirche von Neuhardenberg
Konserviertes Herz des Fürsten von
Hardenberg in der Kirche von
Neuhardenberg




In einem gläsernen Schaugefäß unversehrt erhalten ist das Herz des preußischen Staatskanzlers und Reformers Friedrich von Hardenberg in Neuhardenberg, das posthum fachmännisch konserviert wurde.

Zurück / Weiter